Segeln 2007
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Wellen, Wind, Wärme und noch viel mehr… !
Szenen einer Segelfreizeit
Ein Viermaster, acht Tage, 35 Jugendliche und fünf Betreuer, das Ijsselmeer und die Nordsee. Da gibt es genug Geschichten für eine ganze Vorabendserie. Hier ein kleiner Einblick:
Freitag, 20.00 Uhr, Kampen, Niederlande. Eine Gruppe junger Menschen, trotz Regenjacken bis auf die Haut durchnässt. Die Griffe der Alukisten schneiden sich in die Finger ein. Doch zumindest die Lebensmittel sind in den Kisten vor der Überschwemmung von oben geschützt. Wellen, Wind und Wärme – gut … aber von Regenguss stand nichts im Programm! Es hatte in dem Moment zu schütten angefangen als der Bus entladen werden musste. Wenigstens ist der Regen halbwegs warm. Jemand stimmt an: I´m singing in the rain … .
Sonntag. Wieder müssen die Großsegel gehisst werden. Einige haben sich Handschuhe oder auch Socken über die Hände gezogen, um die Blasen von gestern nicht gleich wieder aufzureißen. Gerrit, der Skipper sieht das und sagt in niederländischer Sprachmelodie: „Handschuhe beim Segeln sind für Schwule!“. Nicht sehr geistreich. Mein Blick wandert über das Deck der Gruppe zu, die die Segel in erstaunlicher Schnelligkeit in den Wind setzt. Die „Summertime“ nimmt bereits Fahrt auf. Wo sind eigentlich auf einmal die ganzen Handschuhe hin?
Texel. Ein Tag Pause. Das Schiff bleibt im Hafen. Die Gruppe jagt mit Fahrrädern über die Insel. Die Sonne ist warm genug, um einige Wagemutige in die Nordsee zu treiben. Für einen Moment überstimmet das Kreischen der Tapferen zwar sogar den Gesang der Möwen, doch nun kann auf die Postkarten nach hause wenigstens auch etwas von „Badeurlaub“ geschrieben werden.
Eine Dose fliegt durch die Luft, über Bord und ein ganzes Stück ins Hafenbecken hinein. Früher war einmal Espresso in der Dose gewesen. Doch jetzt füllen Zettel und einige Steine den Behälter. Auf den Zetteln stehen Dinge, die den Jugendlichen das Leben schwer machen. Der Streit zuhause. Die Abwertungen in der Schule. Die fehlende Aufmerksamkeit der Eltern. Alles, was am Selbstwert nagt. Schreckenssekunde. Die Dose tanzt auf den Wellen hin und her. Kann man das Zeug denn niemals loswerden??? Dann dringt langsam Wasser in die Löcher und der Ballast sinkt auf den Meeresgrund. „So spricht der HERR, der Gott deines Vaters David: Ich habe dein Gebet gehört und deine Tränen gesehen.“ (Jes. 38,5).
Mittags auf dem Sonnendeck. Britney Spears singt sich mithilfe von iPod und Computerboxen die Stimmbänder aus dem Hals. „I´m crazy, but it feels alright …!“Vier Mädels legen dazu passende Bewegungen hin. Da kann auch Matthias S. (17) nicht widerstehen, tanzt und stimmt mit ein. Wenn Britney das erleben könnte!!!
Der Wind strafft die Segel. Regen weht über das Deck. Das Schiff erreicht 10 Knoten und eine Schräglage, die die Töpfe aus dem Schrank kippen lässt. Heute hat es doch zwei Leute erwischt, doch sie erreichten rechtzeitig die Toilette und mussten zumindest nichts aufwischen. Wieso hatten wir eigentlich für diesen Tag das Thema „Stürmische Zeiten“ gewählt? Hätten wir bei „Sonne der Gerechtigkeit“ vielleicht besseres Wetter gehabt?
Mitternacht. Geburtstagskerzen bilden eine große 16 auf einem Tablett. 39 Stimmen singen: „Viel Glück und viel Segen!“ Dann wird noch einmal die Anlage aufgedreht, das Geburttagskind hüpft mit seinen Gästen in das neue Lebensjahr hinein. Zum Glück ist der Skipper noch nicht wieder an Bord. Denn eine Regel des Schiffs lautet: Springen an Bord kostet 1€.
Letzter Tag. Thema ist der Wind des Geistes, der uns auch durch weniger intensive Zeiten hindurch in ein intensives Leben mit Gott hinein trägt. Die Freizeit geht zu
Ende, doch Gott hat die nächsten Schritte für jeden schon vorbereitet. Wahrscheinlich werden auch deshalb die meisten Tränen weiterhin in der Küche geweint. Zwiebeln aus drei Säcken wanderten in den
acht Tagen in die Mägen der Segler. Gestört hat´s niemanden, die Köchin bekommt einen dicken Applaus. Das glaubt Mama nie!
